Fahrzeugpflege zum Saisonstart – Effektiv und Schritt für Schritt

Inhaltsverzeichnis

Endlich geht es wieder los

Der Winter ist vorbei. Streusalz, Frost und Dreck haben ein paar Monate ganze Arbeit geleistet, am Lack, an den Felgen, unterm Unterboden und auch im Innenraum. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, das alles wieder in Ordnung zu bringen, bevor die Saison richtig losgeht. Nicht weil es schön aussieht, sondern weil du es deinem Fahrzeug schuldig bist.

In diesem Beitrag zeige ich dir, wie ich den Saisonstart angehe, von der Felgenreinigung über Knete und Politur bis zur kompletten Innenreinigung, mit welchen Schritten, welchen Produkten und warum ich in welcher Reihenfolge vorgehe.

Warum Fahrzeugpflege zum Saisonstart mehr ist als ein Bad im Frühjahr

Viele denken, kurz drüber mit dem Hochdruckreiniger und fertig. Das Problem ist, dass Streusalz nicht einfach obendrauf sitzt. Es kriecht in Ritzen, setzt sich in Felgenbetten fest, greift Dichtungen an und arbeitet sich langsam durch Lack und Metall, wenn du ihm die Zeit dazu gibst.

Dazu kommt, wer im Frühjahr nicht versiegelt, fährt ungeschützt in die nächste Saison. Swirls, Mattstellen, Streusalzspuren, das summiert sich. Irgendwann steht dann eine Lackkorrektur an, die deutlich aufwändiger ist als zweimal im Jahr sauber zu pflegen. Wer die Fahrzeugpflege zum Saisonstart einmal strukturiert angeht, hat für die nächsten Monate Ruhe.

Schritt 1 – Felgenreinigung

Bevor irgendwas am Lack passiert, kommen die Felgen dran. Bremsstaub, Flugrost und Streusalzrückstände sitzen dort nach dem Winter besonders hartnäckig und sollten als erstes runter.

Ich nutze aktuell den ADBL Vampire Liquid Light, den ich gleichzeitig als Flugrostentferner einsetze. Er hat einen Wirkindikator, du siehst also genau, wo er bereits arbeitet. Wichtig ist, den Felgenreiniger nur auf kalten Felgen anzuwenden, auf warmen Felgen entstehen sonst Rückstände, die sich kaum noch entfernen lassen.

Felgenreiniger drauf, ca. 1 Minute einwirken lassen. Jetzt kommt eine Felgenbürste ins Spiel, mit ihr kommst du deutlich besser in die Ritzen und Speichen als mit dem Hochdruckreiniger allein. Felgenbett, Speichen und Bremsstaub-Ecken lassen sich so gezielt bearbeiten, bevor alles mit dem Hochdruckreiniger abgespült wird.

Schritt 2 – Vorwäsche

Bevor der Schaum draufkommt, nehme ich mir einen milden Allzweckreiniger im Mischverhältnis 1:20 und arbeite mit einem Detailing-Pinsel alle schwer erreichbaren Stellen ab, Fensterkanten, Embleme, Kühlergrill und Tankklappe. So wird der Dreck dort gelöst, bevor der Schaum drüberläuft, und du musst später nicht nochmal ran. Alle Mischverhältnisse, ob für den Allzweckreiniger, Snow Foam oder Gleitmittel, kannst du übrigens ganz einfach mit unserem Mischverhältnis-Rechner berechnen. Einfach Behältergröße eingeben und du bekommst die exakten Mengen direkt ausgespuckt.

Danach schäume ich das Fahrzeug komplett ein. Nach 3 bis 5 Minuten Einwirkzeit sollte der Schaum fast komplett abgelaufen sein, genau das ist das Ziel. Der Schaum bindet beim Ablaufen den Schmutz und trägt ihn schonend vom Lack. Wer den Schaum zu dick aufträgt, verhindert genau das. Wenn der Schaum abgelaufen ist, einfach alle Rückstände mit dem Hochdruckreiniger wegmachen.

Schritt 3 – Handwäsche mit der 2-Eimer-Methode

Jetzt kommt die Handwäsche, und hier lohnt es sich, es richtig zu machen. Die klassische Ein-Eimer-Methode mit Schwamm ist alles andere als lackschonend, weil du den Dreck vom Waschhandschuh direkt wieder auf den Lack trägst.

Die 2-Eimer-Methode ist simpel, Eimer eins mit Autoshampoo, Eimer zwei mit klarem Wasser. In beide Eimer gehört unbedingt ein Dirtguard auf den Boden. Der Dirtguard bindet den abgewaschenen Schmutz am unteren Ende des Eimers und verhindert, dass du ihn beim Auswaschen des Waschhandschuhs wieder aufwirbeln und zurück auf den Lack bringen kannst. Nach jedem Panel den Waschhandschuh im klaren Wasser auswaschen, dann erst wieder ins Shampoo. So bleibt der Dreck unten im Eimer und nicht auf dem Lack.

Wer in der Sonne oder bei Hitze arbeitet, sollte das Fahrzeug nicht komplett auf einmal einschäumen. Das Shampoo trocknet sonst zu schnell an und hinterlässt Rückstände. Lieber Stück für Stück vorgehen, z. B. erst Dach waschen und abkärchern, dann weiter nach unten arbeiten.

Schritt 4 – Trocknen

Bevor es weitergeht, muss das Fahrzeug sauber trocken sein. Ich nutze aktuell das Liquid Elements Silverback Trockentuch. Für ein komplettes Fahrzeug komme ich damit gut hin.

Beim Trocknen möglichst wenig Druck auf das Tuch ausüben. Nach jeder Motorhaube oder jedem Panel das Tuch kurz ausschütteln, damit sich keine Schmutzreste darin festsetzen und beim nächsten Wischen Kratzer verursachen. Nach der Nutzung das Tuch einmal kräftig ausschütteln, damit sich die Fasern wieder aufstellen und nicht verkleben. Dann über eine Leine hängen zum Trocknen, so bleibt es flauschig und saugfähig.

Schritt 5 – Scheibenreinigung innen und außen

Direkt nach dem Trocknen kommen die Scheiben dran. Winterschlieren, Fettfilm und Kondenswasserrückstände trüben besonders bei tiefstehender Sonne die Sicht erheblich, das ist nicht nur nervig, sondern auch ein echtes Sicherheitsthema.

Für die Außenscheiben nehme ich den Forch Reinigungsschaum mit einem Carbon-Tuch. Carbon-Tücher haben den Vorteil, dass du deutlich weniger Reinigungsmittel brauchst bei gleichzeitig besserer Wirkung und vor allem ohne Schlieren. Die Scheibenwischer klappe ich dabei hoch, damit ich auch die Stellen darunter sauber bekomme.

Die Innenscheiben sind oft hartnäckiger als die Außenscheiben, weil sich dort über den Winter ein dünner Fettfilm aus Ausgasungen von Kunststoffteilen und Kondenswasser absetzt. Ich reinige sie ebenfalls mit dem Forch Reinigungsschaum und einem sauberen Carbon-Tuch, arbeite dabei in kreisenden Bewegungen und wische zum Schluss einmal quer ab, um Schlieren zu vermeiden. Innen- und Außenscheibe immer mit separaten Tüchern reinigen, sonst trägst du den Außendreck direkt wieder rein.

Schritt 6 – Reinigungsknete

Nach der Wäsche sieht der Lack sauber aus, fühlt sich aber oft noch rau an. Teerrückstände, Harzpunkte, Flugrost und Industriefall sitzen tief im Klarlack und lassen sich mit normaler Wäsche nicht entfernen. Wer die Fahrzeugpflege zum Saisonstart wirklich sauber durchziehen will, kommt an der Reinigungsknete nicht vorbei.

Je nach Verschmutzungsgrad wählst du die passende Knete. Für normale Winterverschmutzungen reicht eine milde Knete, bei stärker verwittertem Lack oder hartnäckigem Flugrost kannst du zu einer mittleren Stärke greifen. Wichtig zu wissen, durch den Knetvorgang entsteht in etwa 90 % der Fälle ein leichter Grauschleier auf dem Lack. Das ist normal und kein Grund zur Panik, aber es bedeutet, dass nach dem Kneten in jedem Fall poliert werden muss.

Die Knete darf niemals trocken über den Lack. Ich nutze das Dodo Juice Born Slippy als Konzentrat, aus 250 ml bekommst du 2,5 Liter fertiges Gleitmittel. Wer gerade keins zur Hand hat, nimmt einfach eine Autoshampoo-Mischung im Verhältnis 1:10.

Ein Stück Knete flach kneten, Gleitmittel auf den Lack sprühen, dann im Kreuzstrich über die Fläche arbeiten, ohne Druck auszuüben. Nach jedem Panel die Knete falten, damit der aufgenommene Schmutz ins Innere wandert und keine Kratzer mehr verursacht. Am Ende des gesamten Knetvorgangs spüle ich noch einmal komplett mit dem Hochdruckreiniger ab, um alle Gleitmittelrückstände zu entfernen.

Ich nutze immer nur ein frisches Stück Knete und werfe es danach weg. Helle Knete hat dabei einen praktischen Vorteil, du siehst genau, wie viel Dreck sich bereits darin befindet.

Schritt 7 – Polieren

Nach dem Kneten muss poliert werden, da der Knetvorgang wie beschrieben fast immer einen leichten Grauschleier hinterlässt. Wie intensiv du polierst, hängt davon ab, wie tief die Kratzer im Lack sind.

Vor dem Polieren den Lack immer mit einer 50/50 Mischung aus Isopropanol und destilliertem Wasser entfetten, auch hier gilt, nur ein weiches Mikrofasertuch verwenden. Mit einem raueren Tuch riskierst du Kratzer im Klarlack, bevor die Politur überhaupt angefangen hat. Alle empfindlichen Bereiche wie Kanten, Embleme und Zierleisten vorher mit Polierkrepp abkleben. Außerdem unbedingt die Lackdicke messen, nachlackierte Stellen können über 200 µm liegen, originale Bereiche bewegen sich meist zwischen 100 und 160 µm. Wer an einer bereits dünnen Stelle mit einer aggressiven Politur reingeht, richtet mehr Schaden an als vorher vorhanden war. Wie der Lack genau aufgebaut ist und was die einzelnen Schichten bedeuten, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag zum Lackaufbau und Lackdefekten.

Für ein Auto mit normalen Alltagskratzern und Swirls reicht eine gute One-Step-Politur vollkommen aus. Ich nehme dafür die Sonax PROFILINE OS 04-05 in Kombination mit einem One-Step-Polierpad von Koch Chemie. Als Maschine setze ich die ChemicalWorkz DA9 Pro Max ein, für kleinere Stellen wie Türgriffe oder Ecken greife ich zur Flex PXE 80.

Die Politur fahre ich bewusst lange, damit sie gut in den Finishbereich übergeht und einen sauberen Glanz hinterlässt. Polierreste immer mit einem weichen Mikrofasertuch abnehmen, ein hartes oder raues Tuch zieht dir an dieser Stelle direkt wieder Kratzer in den frisch polierten Lack.

Wer noch den letzten Tick mehr Tiefenglanz herausholen will, kann anschließend noch einen Durchgang mit einem Finishpad und der Menzerna 3800 dranhängen. Nach der One-Step-Politur ist aber in den meisten Fällen schon sehr guter Glanz vorhanden.

Nach dem Polieren den Lack noch einmal mit Isopropanol und einem weichen Mikrofasertuch entfetten, damit die Versiegelung optimal haften kann.

Schritt 8 – Versiegeln

Nach dem Polieren ist der Lack offen und braucht Schutz. Für den Saisonstart greife ich gerne zum Fusso Coat, das hält ca. 3 bis 5 Monate und liefert ein beeindruckendes Beading und Sheeting. Die Verarbeitung ist etwas aufwändiger als bei einer Sprühversiegelung, aber der Schutz lohnt sich.

Wer eine einfachere Wachsversiegelung bevorzugt, dem empfehle ich die Kiwami King of Gloss. Sehr unkompliziert in der Anwendung und hält ca. 1 bis 2 Monate. Beide Produkte sind rein synthetische Wachsversiegelungen ohne natürliche Carnaubawachsanteile.

Wenn du gar keine Lust hast, lang zu warten oder viel Zeit zu investieren, ist eine gute Sprühversiegelung die schnellste Lösung. Mein All-Time-Favorit ist hier das ADBL Synthetic Spray Wax, alternativ der SONAX Xtreme Ceramic QuickDetailer. Beide lassen sich in wenigen Minuten auftragen und geben dem Lack direkt einen schönen Grundschutz.

Schritt 9 – Innenreinigung

Die Außenarbeit ist erledigt, jetzt kommt der Innenraum dran. Ich mache die Innenreinigung bewusst nach der Außenreinigung, damit kein neuer Dreck von draußen reingetragen wird. Für alle Reinigungsarbeiten nutze ich mehrere weiche 40×40 cm Mikrofasertücher und nehme für jeden Bereich ein frisches Tuch, damit ich den Dreck nicht von einer Fläche auf die nächste trage.

Matten und Saugen

Als erstes tausche ich die Gummimatten gegen die Stoffmatten aus, die über den Winter eingelagert waren. Dann sauge ich das komplette Fahrzeug gründlich durch, Fußraum, Sitze, Ritzen und alle Ablagen. Erst wenn alles gesaugt ist, fange ich mit der nassen Reinigung an.

Hartkunststoff und Oberflächen

Armaturenbrett, Türverkleidungen, Mittelkonsole und alle Hartkunststoffflächen reinige ich mit dem Koch Chemie Multi Interior Cleaner. Der reinigt gründlich ohne zu fettig zu sein und hinterlässt keinen speckigen Glanz.

Displays

Displays und Bildschirme bekommen eine Sonderbehandlung. Hier nehme ich ausschließlich den Koch Chemie Allround Surface Cleaner, der ist besonders schonend zu TFT-Displays und hinterlässt keine Schlieren oder Rückstände. Kein Sponsoring, ich arbeite einfach seit Jahren sehr gerne mit Koch Chemie, weil die Produkte zuverlässig funktionieren.

Sitze

Die Sitze reinige ich mit dem Koch Chemie POL-Star. Der arbeitet tief in den Stoff und löst auch hartnäckige Flecken und Schweißrückstände zuverlässig. Im Anschluss pflege ich die Sitze mit dem Koch Chemie Leather Star, der hält das Material geschmeidig und schützt es vor dem Austrocknen.

Gummipflege und Scharniere

Zum Abschluss pflege ich alle Gummidichtungen mit dem Sonax Gummipflegestift. Das hält die Dichtungen geschmeidig, verhindert das Einreißen und sorgt dafür, dass die Türen im nächsten Winter nicht festfrieren. Und weil wir schon dabei sind, fette ich noch alle Türscharniere und die Kofferraumscharniere mit Mehrzweckfett. Das kostet zwei Minuten und spart dir das lästige Quietschen für die nächsten Monate.

Fazit

Die Fahrzeugpflege zum Saisonstart ist kein Hexenwerk, aber die Reihenfolge macht den Unterschied. Wenn du jetzt einmal sauber durcharbeitest, fährst du die nächsten Monate entspannt, innen wie außen, und dein Lack dankt es dir spätestens beim nächsten Winter.

Community

Wie läuft eure Fahrzeugpflege zum Saisonstart ab, habt ihr eine feste Routine oder geht ihr nach Gefühl vor? Und welche Versiegelung setzt ihr im Frühjahr ein? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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