Die Classic Remise Düsseldorf – mehr als nur eine Kulisse
Bevor es an den Simulator geht, lohnt sich ein kurzer Blick auf den Ort selbst. Die Classic Remise Düsseldorf ist kein normales Ausstellungsgebäude, sondern ein denkmalgeschützter Ringlokschuppen, der zwischen 1929 und 1931 gebaut wurde. Nach dem Ende der Dampflokzeit stand er jahrelang leer, bis er 2005 von der Deutschen Bahn übernommen und aufwändig restauriert wurde. Heute verbirgt sich hinter der historischen Fassade ein 19.000 m² großes Oldtimer-Zentrum mit einem beeindruckenden Kuppeldach aus Glas.
Rund 300 Fahrzeuge stehen hier jederzeit zum Anschauen und Kaufen, dazu Werkstätten, Händler, Zubehör und ein Restaurant. Der Eintritt ist kostenlos, was den Besuch auch ohne konkreten Kaufwunsch absolut lohnenswert macht. Man schlendert durch die Hallen, schaut in die gläsernen Einstellboxen und sieht Autos, die man sonst nur aus Büchern kennt. Das Ambiente aus Industriearchitektur und Oldtimer-Flair hat definitiv seinen eigenen Charme. Für Motorsport- und Oldtimerfans ist die Classic Remise ein Pflichtbesuch, allein schon wegen der Atmosphäre.
Der Actoracer – was steckt dahinter?
Der Sim Racing Simulator in der Classic Remise wird vom Sim Racing Center Düsseldorf betrieben. Insgesamt stehen dort fünf Simulatoren des Typs Actoracer bereit, ein System des Herstellers Simulationstechnik Lingnau GmbH. Das Konzept klingt ambitioniert, über 120 laservermessene Strecken, mehr als 300 Fahrzeuge zur Auswahl und physische Rückmeldungen, die Beschleunigung, Bremsen und Streckenbeschaffenheit direkt spürbar machen. Als Basis dient Assetto Corsa, eine der realistischsten Rennsimulationen die es gibt.
Gebucht haben wir eine Stunde für 60 Euro, aufgeteilt auf zwei Simulatoren direkt nebeneinander. So konnten wir gegeneinander fahren, was den Spaßfaktor nochmal deutlich erhöht hat.
Nürburgring im GTR gegen Porsche GT3 – die erste halbe Stunde
Die erste halbe Stunde haben wir auf dem Nürburgring verbracht. Ich bin mit dem Nissan GTR angetreten, mein Kollege hat sich den Porsche GT3 RS geschnappt. Schon die ersten Meter auf der Nordschleife haben gezeigt, dass das hier kein Arcade-Spaß ist. Man sitzt tief, die drei großen Bildschirme erzeugen einen schönen Rundumblick und sobald man über die ersten Bodenwellen rattert, merkt man, was mit physischer Rückmeldung gemeint ist. Die Vibrationen kommen direkt in den Sitz und ins Lenkrad, das macht einen echten Unterschied zum normalen Gaming-Setup zu Hause.
Konzentriert war man die ganze Zeit, von wegen mal kurz entspannt durch die Gegend cruisen. Wer einmal über die Nordschleife gedriftet ist und merkt, dass der Sim Racing Simulator das ziemlich ehrlich wiedergibt, weiß was ich meine. Kleiner Tipp am Rande, wenn man in die Bande rauscht am besten kurz die Hände vom Lenkrad nehmen. Der Simulator gibt dann ordentlich Feedback und das Lenkrad dreht sich durch, was ohne Vorwarnung etwas überraschend ist.
Zandvoort im Mercedes 500 Evo – die zweite halbe Stunde
In der zweiten Hälfte sind wir beide auf den Zandvoort-Kurs gewechselt, diesmal im gleichen Fahrzeug, einem Mercedes 500 Evo. Das war nochmal eine komplett andere Erfahrung. Ein klassisches Fahrzeug auf einer modernen Strecke, träges Lenkverhalten, weniger Grip, deutlich mehr Schweißarbeit. Genau das richtige nach der Nürburgring-Session.
Nach einer Stunde war ich ehrlich gesagt gut durch. Angeschwitzt, leicht kaputt in den Armen und mit dem klaren Gefühl, dass eine Stunde deutlich schneller rumgeht als man denkt. Wer die Wahl hat, sollte direkt eine Stunde buchen und nicht nur eine halbe.
Was gut war und was besser sein könnte
Die Inhaberin hat uns von Anfang an sehr freundlich empfangen und alles genau erklärt, bevor es losging. Der Buchungsprozess über die Homepage war unkompliziert und schnell erledigt. Nach der Session haben wir uns noch eine Weile nett unterhalten, das war ein schöner Abschluss. Solche kleinen Details machen einen echten Unterschied.
Zwei Dinge haben mich aber etwas gestört, die ich fair erwähnen möchte.
Erstens: die manuelle Gangschaltung mit Schalthebel war leider nicht verfügbar. Nur Schaltwippen. Die Inhaberin hat das direkt vor Ort erklärt, manche Besucher haben so grob an der Schaltung gerissen, dass sie regelmäßig kaputt gegangen ist. Ich mache ihr da keinen Vorwurf, ich finde es gut dass sie offen damit umgeht. Schade ist es trotzdem.
Zweitens: das Sounderlebnis war grundsätzlich sehr gut mit dem Surround-System, aber der Simulator des Nachbarn war deutlich lauter als meiner. Selbst nach dem Aufdrehen hat man mehr den Auspuffsound von nebenan gehört als den eigenen. Hier wäre es schön, wenn man zukünftig die Option bekommt, eigene Kopfhörer mitzubringen oder die Trennwirkung zwischen den Simulatoren verbessert wird.
Zur Fahrzeug- und Streckenauswahl noch ein Hinweis aus eigener Erfahrung. Über 300 Fahrzeuge und über 120 Strecken klingen fantastisch, und das sind sie auch. Aber wer unvorbereitet hinkommt und spontan entscheiden will, steht schnell vor einer echten Qual der Wahl. Ich empfehle, sich vorher kurz Gedanken zu machen, was man fahren möchte. Das spart Zeit vor Ort und du kannst direkt loslegen.
Fazit
Der Actoracer Sim Racing Simulator in der Classic Remise Düsseldorf ist eine klare Empfehlung für alle, die Motorsport mal hautnah und ohne eigenes Fahrzeug erleben wollen. Das Feeling ist gut, die physischen Rückmeldungen machen den Unterschied zu einem normalen Simulator und eine Stunde reicht, um wirklich ins Schwitzen zu kommen. Die kleinen Nachteile beim Sound und der fehlenden Schaltung sind ärgerlich, aber kein Grund, das Erlebnis schlechtzureden. Die Classic Remise als Location gibt dem Ganzen noch einen besonderen Rahmen, ein Besuch lohnt sich also gleich doppelt.
Community
Habt ihr schon mal einen Sim Racing Simulator ausprobiert und wenn ja, wie war euer Erlebnis? Und wer von euch ist schon mal in der Classic Remise Düsseldorf gewesen? Schreibt es gerne in die Kommentare!