Erstmal klären: wofür brauche ich Geld wirklich?
Ich würde das Finanzierungs-Thema in drei Blöcke splitten. Das macht es einfacher, weil du nicht alles in einen Topf wirfst.
1) Startinvestitionen (einmalig)
Das sind Dinge wie Trockenbau (Technikraum/WC), Bürogalerie, Licht im Polierbereich, Grundausstattung Equipment, Beschilderung und die typischen Startkosten (Kaution, erste Materialbestände).
Hier würde ich mir sehr genau überlegen, was sofort nötig ist und was ich stufenweise nachrüste. Gerade Licht kann man später immer noch upgraden. Aber Trockenbau und eine saubere Grundstruktur würde ich nicht halbgar machen, weil dich das im Alltag jeden Tag nervt.
2) Betriebsmittel (Liquidität / Puffer)
Das ist für mich der wichtigste Block. Denn Betriebsmittel sind nicht „Luxus“, sondern das Ding, das dich in schlechten Monaten am Leben hält. Wenn ich eine Finanzierung brauche, dann würde ich die eher für Puffer nutzen als für fancy Equipment.
3) Fahrzeug (Transporter)
Der Transporter für die mobile Aufbereitung ist bei mir ein Sonderfall. Den würde ich eher leasen als kaufen, weil es planbar ist und ich kein Kapital in einen Klotz binde. Außerdem will ich am Anfang flexibel bleiben. Der Transporter muss funktionieren, nicht beeindrucken.
Welche Finanzierungswege ich mir anschauen würde
Ich würde mir nicht nur „Bankkredit ja/nein“ anschauen, sondern mehrere Optionen. Nicht, um alles gleichzeitig zu machen, sondern um die beste Kombination zu finden.
Eigenkapital
Eigenkapital ist in Gesprächen mit Banken wie ein Vertrauenssignal. Je mehr du selbst drin hast, desto eher glaubt dir jemand, dass du das ernst meinst.
Ich würde aber nicht jeden Euro in die Gründung stecken und dann privat blank sein. Ich würde lieber einen Teil als privaten Sicherheitsgurt behalten. Liquidität macht dich handlungsfähig.
Klassischer Bankkredit
Ein klassischer Bankkredit ist für viele die erste Idee. Ich würde ihn aber nur dann nutzen, wenn ich genau weiß, wofür.
Was ich bei Banken immer im Kopf hätte:
Die Bank will Sicherheit. Nicht nur „die Idee klingt gut“, sondern harte Punkte: Zahlen, Struktur, Sicherheiten, Rückzahlungslogik.
Wenn ich zur Bank gehe, würde ich nicht sagen „ich brauche Geld“, sondern „ich brauche Betrag X für Zweck Y, mein Plan ist Z, und so sieht die Rückzahlung aus“.
Förderkredite (KfW & Co.)
Ich würde mir Förderkredite anschauen, weil sie oft bessere Konditionen haben können als ein reiner Bankkredit. Wichtig wäre mir hier, nicht auf Buzzwords reinfallen.
Ich würde prüfen:
- Passt das Programm zur Gründung?
- Welche Voraussetzungen?
- Welche Laufzeiten?
- Wie schnell ist die Zusage?
- Brauche ich eine Hausbank als Durchleitung?
Das ist oft bürokratischer, aber wenn’s passt, kann es sich lohnen.
Gründungszuschuss (wenn relevant)
Wenn ich aus einer Situation komme, in der ein Gründungszuschuss möglich ist, würde ich mir das auf jeden Fall anschauen. Nicht als „ich will geschenktes Geld“, sondern als Stabilitätsbaustein.
Wichtig wäre mir: Der Zuschuss ist keine Lösung für ein schlechtes Konzept. Er ist nur eine Hilfe, um die Anfangszeit zu überbrücken.
Kleiner Start, stufenweiser Ausbau
Das ist unterschätzt: Ich würde ernsthaft prüfen, ob ich gewisse Dinge einfach später mache, statt sie zu finanzieren.
Beispiel: Polierlicht als Basis starten und später Lichttunnel upgraden. Bestimmte Maschinen später ergänzen. Lageraufbau Schritt für Schritt.
Wenn ich dadurch 10–15k weniger Kapitalbedarf habe, kann das den Unterschied machen, ob ich überhaupt finanziert werden muss oder ob ich leichter durchkomme.
Wie ich meine Finanzierung in der Praxis aufbauen würde
Ich würde mir einen Mix bauen, der konservativ ist. Nicht maximaler Hebel, sondern maximaler Schlaf.
Beispielhafte Logik (nur als Schema):
- Eigenkapital für Startkosten und Kaution, weil ich damit sofort loslegen kann
- Leasing für den Transporter, weil planbar
- Betriebsmittel-Kredit oder Förderkredit für den Puffer, damit schlechte Monate nicht tödlich sind
Ich würde versuchen, nicht den ganzen Kapitalbedarf über einen Kredit zu lösen. Je größer die Rate, desto härter ist dein Monat.
Bankgespräch: so würde ich da reingehen
Ich würde mich auf ein Bankgespräch so vorbereiten, als wäre es ein Kundentermin. Weil am Ende ist es das.
Ich würde folgende Unterlagen sauber dabei haben:
- Liquiditätsplan (12 Monate, 3 Szenarien)
- Businessplan (Muster, logisch und verständlich)
- Startkostenliste (mit Prioritäten: Muss / Kann später)
- Versicherungskonzept (zumindest als Plan)
- Hallenanforderungen + Status (Angebote oder Suchstand)
Und dann würde ich mich mental auf die Fragen einstellen, die wirklich kommen:
- Was passiert, wenn es 3 Monate schlecht läuft?
- Wie kommst du an Kunden?
- Warum glaubst du, dass du dich durchsetzt?
- Was ist dein Mindestumsatz?
- Was sind deine Sicherheiten?
- Wie sieht dein Plan B aus?
Ich würde nicht versuchen, alles schönzureden. Ich würde zeigen, dass ich die Risiken kenne und sie eingepreist habe.
Sicherheiten: der Part, den viele ausblenden
Viele Gründer sind überrascht, wenn Banken über Sicherheiten sprechen. Ich würde das nicht ignorieren.
Je nach Situation könnte das heißen:
Bürgschaft, private Sicherheiten, Sicherungsübereignung, oder eben: weniger Kredit, mehr Eigenkapital, kleinerer Start.
Ich würde aber immer aufpassen, mich privat nicht komplett zu entkleiden. Eine Gründung darf ambitioniert sein, aber sie muss nicht direkt „alles oder nichts“ sein.
Fazit: Finanzierung ist kein Hexenwerk, wenn der Plan stimmt
Wenn Liquiditätsplan und Businessplan sauber sind, ist Finanzierung für mich kein Glücksspiel mehr, sondern ein Prozess. Ich würde es so angehen:
erst Zahlen festziehen, dann Kapitalbedarf ableiten, dann Mix bauen, dann Gespräche führen.
Und ich würde dabei immer lieber konservativ bleiben, weil ich aus meiner Selbstständigkeit gelernt habe: Der größte Luxus am Anfang ist Ruhe.
Community
Wie habt ihr eure Gründung finanziert – eher Bank, eher Fördermittel oder eher klein starten?
Was war die schwierigste Frage im Bankgespräch?
Würdet ihr heute wieder so finanzieren oder etwas komplett anders machen?