What if: Fahrzeugaufbereitung Liquiditätsplan – Rechenbeispiel Teil 06

Inhaltsverzeichnis

Ein konkretes Beispiel, damit du siehst, ob die Selbstständigkeit Sinn macht

Ich habe jetzt in den letzten Teilen viel über „Kosten“, „Puffer“ und „Planung“ geredet. In diesem Teil mache ich genau das, was du dir wahrscheinlich die ganze Zeit gedacht hast: Ich rechne ein Beispiel einmal sauber durch, damit du ein Gefühl bekommst, wie sich so ein Start im Ruhrgebiet anfühlen könnte.

Wichtig: Das hier ist ein Beispiel mit bewusst realistischen Annahmen, aber es ist keine „so muss es sein“-Rechnung. Ich würde mir die echten Zahlen später über Angebote holen (Halle, Versicherung, Leasing). Der Punkt ist: die Logik muss sitzen. Wenn die Logik sitzt, kannst du jede einzelne Zahl austauschen.

Und ja: ich plane eher konservativ. Als ich mich damals mit meiner Designagentur selbstständig gemacht habe, habe ich sogar meinen Golf R aufgegeben, damit ich genug Puffer für ein Jahr habe. Ich wollte damals wirklich so aufgestellt sein, dass ich notfalls auch über die Runden komme, wenn erstmal gar keine Aufträge reinkommen. Das war sehr vorsichtig, aber ich bin lieber auf Nummer sicher gegangen. Genau dieses Denken ziehe ich hier auch durch.

Fahrzeugaufbereitung Liquiditätsplan: die Grundannahmen für das Beispiel

Ich rechne hier bewusst in Netto-Zahlen, weil die Umsatzsteuer für mich durchlaufend ist und in der Liquidität zwar „mitwandert“, aber nicht mein echtes Geld bleibt.

Mein Setup in diesem Beispiel

  • Standort: Ruhrgebiet (Bochum als Rechenanker)
  • Halle: gemietet, ca. 180–240 m², 6 m Deckenhöhe, 2 Arbeitsplätze (Waschzone + Polierzone)
  • Büro/Technik: Trockenbau im EG (Technik/Lager/Mini-WC), Büro als Galerie im OG
  • Mobil: günstiger Transporter im Leasing, ca. 20.000 km/Jahr
  • Zielgruppenmix: Privat in der Halle, Fuhrpark und Autohäuser mobil
  • Wohnmobile/Wohnwagen: in der Halle, mit Standardpaketen (z. B. Einwintern), Komplett nur nach Absprache
  • Arbeitszeit: 5 Tage operativ, Samstag Orga

Einmalige Startkosten: was ich am Anfang wirklich auf der Uhr hätte

Das ist der Block, den viele unterschätzen, weil er nicht „monatlich“ weh tut, aber am Anfang richtig Kapital bindet. Ich würde mir hier nicht einreden, dass das alles irgendwie nebenbei passiert.

Beispielhafte Einmal-Kosten:

  • Kaution Halle (typisch 2–3 Monatskaltmieten): 6.000 €
  • Trockenbaukern (Technikraum, Lager, Mini-WC): 6.000 €
  • Galerie/Büro (einfach, funktional, 2 Schreibtische): 5.000 €
  • Licht Polierbereich (Basis + gezielte Flächenleuchten, noch kein Luxus): 3.500 €
  • Grundausstattung Equipment (mobil + stationär): 7.000 €
  • Erstausstattung Verbrauchsmaterial (Tücher, Pads, Chemie, Kleinteile): 1.500 €
  • Beschilderung/Fahrzeugbeschriftung/Druck (Produktion, nicht Design): 2.000 €
  • Leasing-Startkosten/Überführung/Anzahlung: 1.500 €

Zwischensumme Beispiel: ca. 32.500 €

Ich würde dazu noch einen Puffer für „ach du Scheiße, das fehlt ja noch“ einplanen, weil der in der Realität immer kommt. Sagen wir 10–15%: rund 3.500–5.000 €.

Damit liege ich im Beispiel bei: ca. 36.000–38.000 € Startsetup.

Monatliche private Fixkosten: weil ich ja auch leben muss

Ich rechne das bewusst so, als wäre ich single und ohne zweites Einkommen.

Beispiel Bochum, 40 m²:

  • Warmmiete (40 m², Beispielwert): 650 €
  • Strom privat: 60 €
  • Internet/Handy privat: 60 €
  • Versicherungen privat (Haftpflicht etc.): 30 €
  • Lebensmittel/Alltag: 400 €
  • Mobilität privat (klein gedacht, weil Transporter auch privat genutzt wird): 120 €
  • Sonstiges (Klamotten, Zeug, Leben passiert): 200 €

Private Fixkosten Beispiel: ca. 1.520 € / Monat

Monatliche Fixkosten im Betrieb: der Teil, der jeden Monat aufschlägt

Jetzt der betriebliche Block. Hier würde ich knallhart sein, weil genau hier entscheidet sich, ob ich ruhig bleibe oder ob ich jeden Monat hinterherlaufe.

Halle:

  • Kaltmiete Halle: 2.000 €
  • Nebenkosten/Grundkosten: 400 €
  • Strom (Licht + Maschinen, eher konservativ): 350 €
  • Wasser/Abwasser (Waschplatz, konservativ): 250 €
  • Müll/Entsorgung: 50 €

Halle gesamt: 3.050 € / Monat

Transporter (mobil, 20.000 km/Jahr):

  • Leasingrate: 350 €
  • Versicherung/Steuer: 140 €
  • Wartungspuffer: 60 €
  • Kraftstoff (als Planwert, nicht exakt): 350 €

Transporter gesamt: 900 € / Monat

Versicherungen Betrieb:

  • Betriebshaftpflicht + Inhaltsversicherung + „teure Fahrzeuge“-Faktor als Planwert: 350 €

Orga/Software/Steuer:

  • Steuerberater/Buchhaltung (Planwert): 200 €
  • Software/Telefon/Bürokram: 120 €
  • Bank/Payment/sonstige Gebühren: 40 €

Marketing (Produktion, nicht Design):

  • Beschilderung/Print/kleine laufende Budgets als Planwert: 150 €

Betrieb fix gesamt (ohne Verbrauchsmaterial):
  3.050 + 900 + 350 + 200 + 120 + 40 + 150 = 4.810 € / Monat

Variable Grundkosten: die trotzdem jeden Monat auftauchen

Ein paar Dinge sind „variabel“, sind aber realistisch gesehen jeden Monat da, sobald du arbeitest.

  • Verbrauchsmaterial (Chemie, Pads, Tücher-Verschleiß, Kleinteile): 300 €
  • Arbeitskleidung/Handschuhe/Kleinkram: 50 €

Variable Basis: 350 € / Monat

Damit liege ich betrieblich im Beispiel bei rund 5.160 € / Monat.

Rücklagen: ich würde sie wie eine Rechnung behandeln

Ich würde Rücklagen nicht als „wenn was übrig bleibt“ behandeln, sondern wie feste Ausgaben.

Beispielhafte Rücklagen im Monat:

  • Steuerrücklage (als grober Planposten am Anfang): 700 €
  • Investitionsrücklage (Ersatz, neue Tools, Reparaturen): 300 €
  • Altersvorsorge/Rente: 300 €

Rücklagen gesamt: 1.300 € / Monat

Der monatliche Mindestbedarf: die Zahl, die mir die Wahrheit sagt

Jetzt ziehe ich alles zusammen:

  • Privat: ca. 1.520 €
  • Betrieb fix + variable Basis: ca. 5.160 €
  • Rücklagen: ca. 1.300 €

Mindestbedarf pro Monat (Beispiel): ca. 7.980 € netto

Rund gesagt: ich würde in diesem Beispiel davon ausgehen, dass ich im Monat etwa 8.000 € netto reinholen muss, damit alles bezahlt ist und ich nicht nur „überlebe“, sondern wirklich sauber plane.

Und genau an der Stelle wird klar, warum ein Fahrzeugaufbereitung Liquiditätsplan so hilfreich ist: du siehst schwarz auf weiß, was passieren muss.

Saison: warum ich Herbst und Winter bewusst anders planen würde

Fahrzeugaufbereitung ist saisonal. Punkt. Es gibt Monate, da läuft’s wie geschnitten Brot, und es gibt Monate, da wird’s zäher, weil Wetter, Dunkelheit und „mach ich im Frühjahr“ greifen.

Ich würde das nicht wegdiskutieren, sondern aktiv damit arbeiten. Gerade beim Wohnmobil-Thema sehe ich einen Hebel: In Herbst und Winter würde ich gezielt Pakete anbieten, die in diese Saison passen.

Beispiel: Einwintern-Angebote für Wohnmobile/Wohnwagen

  • gründliche Außenwäsche, Dach- und Problemzonen sauber machen
  • Dichtungen pflegen, damit nichts festbackt oder austrocknet
  • Innenraum auf Stand bringen (Feuchtigkeit, Gerüche, Basisreinigung)
  • einfache Schutzversiegelung als Option, damit das Fahrzeug sauber in die Standzeit geht

Das ist kein Premium-Zauber, aber es ist planbar, sinnvoll und kann mir helfen, schwächere Monate zu stabilisieren.

Umsatzannahmen: wie ich im Beispiel rechnen würde

Damit ich nicht im Nebel rechne, würde ich mir ein paar Durchschnittswerte setzen. Nicht, weil die „für immer“ stimmen, sondern damit ich den Plan testen kann.

Beispielhafte Durchschnittswerte (netto):

  • Privat-Pkw (Mix aus Standardpaketen + Optionen): Ø 380 € pro Auftrag
  • Mobile Aufbereitung Autohaus/Fuhrpark (planbar, schneller): Ø 250 € pro Job
  • Wohnmobil/Einwinter-Paket (Standard): Ø 500 € pro Auftrag

Drei Szenarien: konservativ, realistisch, optimistisch

Jetzt kommt der Teil, den ich am wichtigsten finde: ich würde nicht nur einen Plan machen, sondern drei.

Konservativ (Start zäh, Aufbau dauert):

  • 12 Privat-Pkw x 380 € = 4.560 €
  • 6 mobile Jobs x 250 € = 1.500 €
  • 2 Wohnmobile x 500 € = 1.000 €
      Gesamt: 7.060 €

In diesem Szenario würde ich die 8.000 € Mindestbedarf nicht knacken. Das heißt: ich brauche Puffer, oder ich muss Kosten drücken, oder ich muss den Auftragseingang schneller hochziehen. Und genau dafür ist der Plan da.

Realistisch (läuft an, Stammkunden kommen, Abläufe werden schneller):

  • 16 Privat-Pkw x 380 € = 6.080 €
  • 8 mobile Jobs x 250 € = 2.000 €
  • 3 Wohnmobile x 500 € = 1.500 €
      Gesamt: 9.580 €

Hier wäre ich stabil über meinem Mindestbedarf. Das wäre das Szenario, auf das ich hinarbeiten würde.

Optimistisch (starkes Wachstum, hohe Nachfrage, gute Auslastung):

  • 20 Privat-Pkw x 380 € = 7.600 €
  • 10 mobile Jobs x 250 € = 2.500 €
  • 4 Wohnmobile x 500 € = 2.000 €
      Gesamt: 12.100 €

Das klingt geil, bringt aber neue Probleme: Kapazität, Qualität, Termindruck. Da würde ich dann eher Prozesse verbessern und selektiver werden, statt nur „mehr“ zu machen.

Startkapital: was ich im Beispiel wirklich auf der Seite haben wollen würde

Wenn ich mein Startsetup bei grob 36.000–38.000 € sehe, kommt der zweite Block: Anlaufpuffer.

Ich würde mindestens 3 Monate Mindestbedarf als Puffer einplanen, eher 6, wenn ich richtig konservativ bin. Ich habe das früher schon einmal so gemacht, und es hat mir massiv Ruhe gegeben.

  • 3 Monate x 8.000 € = 24.000 €
  • 6 Monate x 8.000 € = 48.000 €

Startkapitalbedarf im Beispiel:

  • Setup 37.000 € + 3 Monate Puffer 24.000 € = ca. 61.000 €
      oder
  • Setup 37.000 € + 6 Monate Puffer 48.000 € = ca. 85.000 €

Und ja, das wirkt erstmal viel. Aber genau deshalb mache ich die Rechnung: damit ich nicht erst nach drei Monaten merke, dass mein Plan nur funktioniert, wenn alles perfekt läuft.

Was ich aus dem Beispiel ableiten würde

Wenn ich diese Zahlen sehe, hätte ich drei Stellschrauben:

Erstens: Setup stufenweise statt alles sofort.  Zum Beispiel Licht und Ausbau zunächst „funktional“ und später upgraden, wenn Cashflow da ist.

Zweitens: Auftragseingang schneller stabilisieren.  B2B kann hier helfen, weil es planbarer sein kann. Aber ich muss Zahlungsziele im Blick behalten.

Drittens: Puffer ernst nehmen.  Ich weiß aus meiner eigenen Selbstständigkeit: Ruhe ist ein Wettbewerbsvorteil. Unter Druck triffst du dumme Entscheidungen.

Fazit: ein Rechenbeispiel macht den Plan plötzlich greifbar

Dieser Teil zeigt vor allem eins: Ein Fahrzeugaufbereitung Liquiditätsplan ist keine Theorie. Er ist dein Realitätscheck. Du siehst, was monatlich reinkommen muss, wie Saison dich beeinflusst und wie viel Startpuffer du brauchst, damit du nicht vom ersten Tag an mit Stress arbeitest.

Im nächsten Teil würde ich genau auf diesem Beispiel aufbauen und den Businessplan als Muster schreiben. Also nicht nur „Struktur“, sondern wirklich ein Beispiel-Businessplan, in den du später deine echten Zahlen einsetzen kannst.

Community

Wie viel Puffer hattet ihr beim Start wirklich, in Monaten gedacht?
Welche Monatszahl war bei euch am wichtigsten: Mindestbedarf oder Wunschumsatz?
Wie habt ihr die Saison abgefedert, gerade im Herbst und Winter?

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