What if: Fahrzeugaufbereitung Liquiditätsplan – Teil 05

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Inhaltsverzeichnis

Wie ich planen würde, wie viel Geld ich wirklich brauche, bevor ich loslege

Bevor ich überhaupt anfange, einen Businessplan „für die Bank“ zu schreiben, würde ich mir erst mal schauen ob der Plan überhaupt aufgeht. So dass ich am Ende weiß: Wie viel Startkapital brauche ich, wie lange halte ich schlechte Monate aus und ab wann wird das Ding stabil.

Genau dafür würde ich als nächsten Schritt einen Liquiditätsplan bauen. Nicht, weil ich Bock auf Zahlen habe, sondern weil Liquidität in der Selbstständigkeit am Ende wichtiger ist als „Gewinn auf dem Papier“. Du gehst nicht pleite, weil du keine Marge hast. Du gehst pleite, weil du in einem Monat deine Rechnungen nicht bezahlen kannst.

Warum ich lieber zu konservativ plane

Ich würde das Thema Liquiditätsplan auch deshalb so ernst nehmen, weil ich genau diese Denkweise schon einmal gebraucht habe, als ich mich selbstständig gemacht habe. Nur eben nicht als Fahrzeugaufbereiter, sondern mit meiner Designagentur.

Als ich damals gestartet bin, habe ich meinen Golf R aufgegeben, um genug Puffer für ein Jahr zu haben. Das war im Nachhinein vielleicht sehr konservativ gedacht, aber genau das hat mir Ruhe gegeben. Ich habe extra so geplant, dass ich auch noch über die Runden komme, wenn erstmal gar keine Aufträge reinkommen. Lieber Nummer sicher, als jeden Monat mit Bauchschmerzen aufzuwachen.

Dieses Mindset würde ich auch auf die fiktive Fahrzeugaufbereitung übertragen. Ich will nicht mit dem Rücken zur Wand starten. Ich will so planen, dass der Start auch dann nicht direkt kippt, wenn es langsamer läuft als gehofft. Einen Sportwagen kannst du dir holen, wenn der Laden läuft.

Liquidität heißt: was geht rein, was geht raus und wann passiert das?

Ich würde mir den Liquiditätsplan nicht als kompliziertes Excel-Monster bauen, sondern als sehr klare Monatsübersicht. Das Prinzip ist simpel: Einzahlungen minus Auszahlungen. Und dann schaue ich mir an, ob ich in jedem Monat positiv bleibe oder ob ich irgendwo ein Loch habe.

Wichtig ist dabei das „wann“. Gerade bei B2B kann es sein, dass du heute arbeitest, aber erst in 30 Tagen bezahlt wirst. Privatkunden zahlen eher direkt oder kurzfristig. Diese Unterschiede würden bei mir in der Planung eine große Rolle spielen.

Schritt 1: Fixkostenblock festziehen, privat und betrieblich

Ich würde den Fixkostenblock aus Teil 4 als Basis nehmen und ihn in zwei Schubladen packen.

Privat würde ich so rechnen, als wäre ich allein verantwortlich. Bochum, 40 m² Wohnung als Beispiel, plus Lebenshaltung, Versicherungen, Mobilität. Und ich würde mir hier keinen „Spartaner-Plan“ machen, der nur funktioniert, wenn ich mich 12 Monate von Nudeln ernähre. Ich will ja am Ende wirklich davon leben können.

Betrieblich kommen dann die fixen Posten drauf: Hallenmiete plus Nebenkosten, Strom, Wasser/Abwasser, Versicherungen, Transporter (Leasingrate plus Fixkosten), Software, Steuerberater/Buchhaltung, Telefon, Bankgebühren. Und ganz wichtig: Rücklagen als fester Posten, nicht als „wenn was übrig bleibt“.

Allein dieser Block ist für mich die Wahrheit, weil er mir sagt, was jeden Monat mindestens rausgeht, egal wie gut oder schlecht es läuft.

Schritt 2: Einmalige Startkosten und Innenausbau realistisch einplanen

Der zweite große Punkt ist das Startsetup. In meinem Fall wären das nicht nur Maschinen und Reiniger, sondern auch Dinge, die viele vergessen, weil sie nicht so greifbar sind.

Ich würde zum Beispiel klar einplanen: Trockenbau (Technikraum, Lagerkern, Mini-WC), Galerie/Büro-Lösung (wenn umsetzbar), Lichtkonzept im Trockenbereich (Polierbereich), Grundausstattung Equipment, die mobil und stationär funktioniert, Erstausstattung Tücher/Pads/Verbrauchsmaterial (weil am Anfang direkt viel durchgeht) und Werbemittel.

Gerade beim Thema Werbemittel würde ich es sauber rechnen, auch wenn ich das Design über meine Agentur ruhrtypen. selbst abbilden kann. Produktion kostet trotzdem Geld. Beschilderung, Fahrzeugbeschriftung, Visitenkarten, Flyer, Banner. Wenn ich das nicht einplane, bescheiße ich mich selbst.

Wichtig wäre mir hier eine klare Trennung: was ist einmalig und was ist laufend. Und ich würde bei allem einen Puffer einplanen, weil du beim Ausbau fast immer irgendwo nachkaufen oder nachrüsten musst.

Schritt 3: Umsatzplanung nicht nach Wunsch, sondern nach Kapazität

Jetzt kommt der Teil, wo man sich am leichtesten selbst belügt. Deshalb würde ich mich zwingen, Umsatz nicht aus Fantasie zu rechnen, sondern aus Kapazität.

Ich würde mir dafür einen realistischen Wochenrahmen bauen: 5 Tage operativ, Samstag Orga. Stationär: zwei Plätze, aber nicht immer doppelte Auslastung, weil Abläufe, Trocknungszeiten und Übergaben real sind. Mobile Fahrzeugaufbereitung gezielt als Ergänzung.

Dann würde ich mit einem konservativen Paketmix rechnen. Nicht mit „jeder Kunde nimmt Premium“, sondern mit dem, was realistischer ist: ein Mix aus Standardpaketen plus ein paar Zusatzoptionen. Premium wäre bei mir in der Liquiditätsplanung eher ein Bonus als die Grundlage.

Zusätzlich würde ich bei B2B anders rechnen als bei Privat: Privat bringt meist schneller Geld rein, schwankt aber. B2B kann planbarer sein, hat aber Zahlungsziele und manchmal Verzögerungen.

Schritt 4: Drei Szenarien, damit ich nicht überrascht werde

Ich würde den Liquiditätsplan immer in drei Szenarien bauen, weil ein einziger Plan dich meistens in falscher Sicherheit wiegt.

Szenario A: konservativ. Ich gehe davon aus, dass die ersten Monate zäh sind, die Auslastung langsam wächst und ich mehr Zeit für Sichtbarkeit, Prozesse und Aufbau brauche.

Szenario B: realistisch. Ich steigere mich Monat für Monat, bekomme Stammkunden, die Prozesse werden schneller, und die Kombination aus stationär und mobil fängt an, sich auszuzahlen.

Szenario C: optimistisch. Viele Anfragen, gute Auslastung, schnelle Entwicklung. Das klingt geil, ist aber auch gefährlich, weil du dann plötzlich andere Probleme bekommst: Überlastung, Qualität, Terminchaos. Auch das würde ich mitdenken.

Der Sinn dieser Szenarien ist nicht, sich verrückt zu machen, sondern den Kapitalbedarf zu verstehen. Wenn ich im konservativen Szenario nach drei Monaten ins Minus rutsche, weiß ich: Entweder brauche ich mehr Startpuffer oder ich muss Kosten und Setup anpassen.

Schritt 5: Der Anlaufpuffer ist mein Sicherheitsgurt

Der wichtigste Output aus dem Liquiditätsplan wäre für mich nicht „mein Umsatz“, sondern mein Anlaufpuffer.

Ich würde mir ganz konkret ausrechnen: Wie viele Monate Fixkosten muss ich überbrücken können, wenn es langsam anläuft? Was passiert, wenn ich einen Monat krank bin? Was passiert, wenn B2B-Zahlungen später kommen?

Als Mindset würde ich mir sagen: Ich will nicht mit dem Rücken zur Wand starten. Lieber starte ich später mit mehr Puffer, als dass ich sofort unter Druck Entscheidungen treffe, die mich langfristig ruinieren.

Saison ist real und ich würde sie aktiv einplanen

Ich würde im Liquiditätsplan ganz klar berücksichtigen, dass Fahrzeugaufbereitung saisonal ist. Es gibt Monate, da rennen dir die Leute die Bude ein, und es gibt Monate, da ist es plötzlich zäh, weil Wetter und Dunkelheit rein kicken. Genau deshalb würde ich im Plan nicht so tun, als wären alle Monate gleich, sondern bewusst mit schwächeren Herbst- und Wintermonaten rechnen.

Und statt mich darüber nur zu ärgern, würde ich mir überlegen, wie ich diese Zeit sinnvoll nutze. Gerade durch das Wohnmobil-Thema hätte ich hier einen Hebel. In den Herbst- und Wintermonaten würde ich spezielle Wohnmobil-Angebote einplanen, zum Beispiel zum Einwintern. Das wären praktische Pakete, die zur Saison passen und die mir helfen könnten, Umsätze in einer ruhigen Zeit zu stabilisieren.

So etwas könnte zum Beispiel beinhalten: gründliche Außenwäsche, typische Problemzonen sauber machen, Dichtungen pflegen, Scheiben und Aufbauten checken, Innenraum auf Stand bringen und auf Wunsch eine einfache Schutzversiegelung, damit das Fahrzeug sauber in die Standzeit geht. Keine Luxusprogramme, sondern sinnvoll, planbar und gut kommunizierbar.

Schritt 6: Wie ich meinen Kapitalbedarf ableiten würde

Am Ende würde ich aus dem Liquiditätsplan eine Zahl ableiten, die für mich entscheidend ist.

Startkapitalbedarf = einmalige Startkosten + Anlaufpuffer

Und dieser Anlaufpuffer wäre nicht „ein bisschen was“, sondern so groß, dass ich im konservativen Szenario nicht sofort in Panik gerate. Genau diese Zahl sagt mir dann: Ist das Vorhaben realistisch? Muss ich kleiner starten? Muss ich bei Trockenbau, Büro oder Licht stufenweise arbeiten? Oder passt es genauso?

Fazit: Der Liquiditätsplan ist mein Realitätscheck

Ich würde den Liquiditätsplan als meinen Realitätscheck sehen. Der zeigt mir, ob mein Wunsch-Setup wirklich tragfähig ist, wie viel Geld ich brauche und ab wann das Ganze stabil wird.

Und erst wenn ich diese Zahlen sauber habe, würde ich den nächsten Schritt gehen und den Businessplan bauen. Weil ich dann nicht mehr „irgendwas“ in einen Businessplan schreibe, sondern auf Basis einer Planung, die für mich selbst Sinn ergibt.

Community

Wie viele Monate Puffer hattet ihr beim Start wirklich auf der Seite?
Was war bei euch der größte Liquiditäts-Killer im ersten Jahr?
Habt ihr saisonale Schwankungen unterschätzt oder gut abgefedert?

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