Fixkosten sind nicht nur Halle, Fixkosten sind dein gesamtes Leben
Ich würde die Fixkosten nicht nur als Betriebskosten sehen. Weil ich in diesem Szenario Single bin und kein zweites Einkommen habe, muss mein Business nicht nur die Halle tragen, sondern auch mein Privatleben und alle damit verbundenen Kosten.
Ich würde 2 Blöcke für mich bauen:
Block 1 sind meine privaten Fixkosten. Als Denkrahmen würde ich Bochum nehmen (da ich hier wohne und mich in der Umgebung auskenne) und eine 40 m² Wohnung. Dazu kommen die üblichen Dinge wie Strom, Internet, Versicherungen, Lebensmittel, Mobilität. Das ist die Basis, die jeden Monat bezahlt werden muss, egal wie der Monat läuft.
Block 2 sind die betrieblichen Fixkosten. Und da wird’s spannend, weil viele am Anfang nur die Hallenmiete sehen, aber die Hälfte vergessen.
Die größte Position: Halle mieten und Betriebskosten realistisch einplanen
Die Hallenmiete ist offensichtlich, aber ich würde direkt daran denken, dass es nicht nur bei der Kaltmiete bleibt.
Ich würde bei der Halle folgende Punkte als Fixkostenblock planen:
- Kaltmiete
- Nebenkosten (wenn pauschal oder als Vorauszahlung)
- Strom (und ich würde beim Polierbereich nicht klein denken, Licht frisst)
- Wasser/Abwasser (vor allem wegen Waschplätzen)
- Müll/Entsorgung (auch wenn’s erstmal klein wirkt)
- Wartung/kleine Instandhaltung (weil immer irgendwas kaputt ist)
Und weil ich Trockenbau für Büro, Technik und WC eingeplant habe, würde ich den Innenausbau nicht als „einmalige Sache“ abtun, sondern in der Planung als Invest betrachten, den ich über eine Laufzeit denke. Wenn ich zum Beispiel Wände ziehe, ein WC reinsetze, vielleicht Waschmaschine/Trockner anschließe und eine Galerie fürs Büro baue, dann ist das Geld nicht weg, aber es ist gebunden. Und wenn ich irgendwann umziehe, muss ich wissen, was davon mit kann und was nicht.
Transporter für die mobile Schiene: Leasing gehört auch zu den Fixkosten.
Weil ich mobil arbeiten will, brauche ich ein Fahrzeug. Ich würde dafür keinen riesigen Show-Transporter nehmen, sondern einen günstigen, praktischen Transporter, den ich auch privat nutzen kann. Einfach, um Kosten nicht doppelt zu zahlen.
In die Fixkosten würde ich beim Transporter einplanen:
- Leasingrate
- Versicherung
- Steuer
- Wartungspuffer
- Kraftstoff ist eher variabel, aber ich würde trotzdem einen Monatsrahmen ansetzen, weil 20.000 km im Jahr nicht wenig sind
20.000 km pro Jahr sind umgerechnet ca. 1.666 km pro Monat. Das heißt: da wird jeden Monat Sprit durchgehen, egal ob du willst oder nicht.
Versicherungen: lieber zu viel eingeplant als zu wenig
Ich würde Versicherungen nicht auf die leichte Schulter nehmen, vor allem wenn teure Fahrzeuge in der Halle stehen.
Ich würde mindestens diese Themen als Fixkosten betrachten:
- Betriebshaftpflicht (Absolut Pflicht)
- Inhaltsversicherung/Inventar (Equipment, Maschinen)
- Rechtsschutz (Glaub mir ich spreche da aus Erfahrung. Irgendwann wirst du sie brauchen und dann bist du froh, wenn du bei einem Rechtsstreit weniger Stress hast)
- Fahrzeugversicherung Transporter (klar)
- Je nachdem, wie premiumlastig es wird: Absicherung, die auch wirklich teure Fahrzeuge und Übergabesituationen abdeckt. Denke daran, dass du das Auto des Kunden auch bewegen musst
Hier würde ich nicht raten, sondern Angebote einholen. In der Planung würde ich aber trotzdem einen realistischen Puffer einsetzen, weil Versicherungen in der Realität selten günstiger sind als man denkt.
Software und Orga: unterschätzt, aber wichtig
Viele vergessen die kleinen Posten, die sich summieren. Ich würde mir einen Orga-Block bauen.
Dazu gehören:
- Buchhaltung oder Steuerberater (und ja, am Anfang würde ich da nicht knausern)
- Software für Rechnungen/Angebote (Glaub mir, wenn du einmal einen ganzen Tag wegen schreiben von Angeboten verbracht hast, wünscht du dir eine gute Software, wo du Angebote automatisiert erstellen kannst. Es gibt bereits Software für wenige Euro pro Monat. Denk immer daran, Zeit ist Geld)
- Terminverwaltung
- Website/Hosting (Hier können wir dir gerne helfen. Geht dazu auf unsere Agenturseite: ruhrtypen.de)
- Telefon
- Bankkonto/Payment-Gebühren
Das klingt alles nach Kleinkram, aber wenn du es nicht planst, frisst es dich in der Summe auf.
Personal auf Minijob-Basis: eher als Puffer, aber trotzdem planbar
Ich habe in meinem Plan eine Hilfskraft auf Minijob-Basis vorgesehen, aber nicht dauerhaft ausgereizt. Eher als Puffer: wenn ich krank bin, wenn ich zu viele Aufträge habe oder wenn ich merke, dass ich sonst Termine nicht halten kann.
Trotzdem würde ich das in der Fixkosten-Logik zumindest als Option einplanen. Nicht so, als würde ich jeden Monat 100% darauf setzen, aber so, dass ich weiß, was es bedeutet, wenn ich diese Hilfe regelmäßig nutze.
Und ich würde sehr klar definieren, wofür ich die Hilfe einsetzen würde: vorbereitende Arbeiten, Innenraum grob, Material waschen, Fahrzeuge bewegen, Abklebearbeiten vorbereiten. Alles, was Zeit spart, ohne dass ich Qualitätsrisiko reinbringe. Wenn die Hilfskraft ordentlich angelernt ist, kann sie natürlich auch perspektivisch eine gesamte Fahrzeugaufbereitung vornehmen. Je nachdem welchen Wissensstand sie hat.
Rücklagen: der Punkt, an dem es ernst wird
Ich würde Rücklagen nicht als „wenn was übrig bleibt“ planen, sondern als festen Posten.
Es gibt drei Rücklagen, die ich in meinem Plan klar trennen würde:
- Steuern (weil die kommen, auch wenn du sie verdrängst)
- Investitionsrücklage (Pads, Maschinen, Licht, Ersatz, Ausbau)
- Altersvorsorge/Rente (weil sonst arbeitest du nur für jetzt)
Wenn ich das nicht als Fixkostenblock denke, ist es am Ende meistens so, du lebst von der Hand in den Mund, obwohl du eigentlich gut Umsatz machst.
Der Punkt, der alles zusammenzieht: mein persönlicher Break-even
Wenn ich alle Fixkostenblöcke habe, würde ich mir meinen persönlichen Break-even bauen.
Ich würde wissen wollen:
- Wie viel muss ich pro Monat mindestens einnehmen, damit alles bezahlt ist?
- Wie viele abrechenbare Stunden brauche ich dafür?
- Wie viele Aufträge pro Woche sind das ungefähr, je nach Paketmix?
Und genau hier wird es spannend, weil du plötzlich merkst, ob deine Preise und Pakete überhaupt realistisch sind.
Wenn du zum Beispiel merkst, dass du 180 abrechenbare Stunden brauchst, um deine Fixkosten zu decken, dann weißt du: entweder Preise rauf, Prozesse effizienter, oder Kostenblock beheben. Weil 180 abrechenbare Stunden jeden Monat sind brutal, wenn du auch noch Orga und Mobil machen willst.
Fazit: Fixkosten geben dir die Wahrheit, auch wenn sie weh tut
Ich würde meine Fixkosten bewusst einmal komplett sauber durchziehen, bevor ich irgendwas veröffentliche oder groß starte. Nicht, weil ich mich kleinrechnen will, sondern weil ich wissen will, worauf ich mich einlasse.
Wenn ich den Fixkostenblock kenne, kann ich Preise wirklich sauber kalkulieren, Auslastung planen und später Entscheidungen treffen, ohne Bauchschmerzen.
Im nächsten Teil würde ich dann genau darauf aufbauen und einen einfachen Liquiditätsplan machen: Monatsplanung, schwache Monate, Puffer, und wie ich verhindern würde, dass ein schlechter Monat mir direkt das Genick bricht.
Community
Was war bei dir der Fixkosten-Posten, den du am Anfang komplett unterschätzt hast?
Hast du Rücklagen von Anfang an fest eingeplant oder erst später?
Wie gehst du mit saisonalen Schwankungen um?


